Familienforschung
Sachsen - Brandenburg - Schlesien

Die Geschichte der
Herrschaft Kolzig in Niederschlesien

Berufsgenealoge Dirk Habermann

Landkarten aus dem
Verlag Schreiber - Leipzig um 1730









Einleitung
Herrschaft
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Herrschaft Kolzig


Das Gebiet der Herrschaft Kolzig im östlichsten Teil des Kreises Grünberg befand sich einst im dichten Grenzwaldgürtel zwischen Schlesien und Polen, inmitten einer von Wasserläufen, Sümpfen, Seen und Sanddünen durchzogenen Landschaft. Frühgeschichtliche Funde belegen, dass dieses Gebiet schon ein sehr altes Siedlungsgebiet ist. So wurde südlich des Kolziger Gutshofes ein spätbronzezeitlicher Depotfund gemacht. Und auch auf einem in Grünwald gelegenen, nun verschwundenen Sandberg, wurde ein frühgeschichtliches Urnenfeld freigelegt.

Trotz seiner Abgeschiedenheit lag die Herrschaft Kolzig schon seit alten Zeiten an einer wichtigen Handelsstraße, angeblich der Bernsteinstraße. Ein Abschnitt dieser Straße soll eine Meile östlich von Boyadel den Kreis Grünberg berührt haben und konnte angeblich bei Kontopp nachgewiesen werden. Dort muss die Straße über eine Brücke oder Furt, vermutlich auf Höhe der alten Wassermühle die Faule Obra gequert haben. Selbst wenn es sich dabei nicht um einen Arm der alten Bernsteinstraße handeln sollte, so verlief zumindest ein bedeutender Handelsweg oder eine Straße über Kontopp und Kolzig bis nach Polen.

Einen ersten konkreten Hinweis auf diesen Weg enthält ein Dokument von 1494. Es heißt 'cruciatis prope viam, quae ducit de Kyeblow in Kolsko', was bedeutet 'kreuzt in der Nähe den Weg, welcher von Kiebel nach Kolzig führt'. Im sogenannten 'Schweinitzschen Grenzrezess' von 1528 ist zu lesen 'viam magnam, quae tendit ex villa Conyetop in oppidum Kyeblow', was soviel bedeutet, wie 'den großen Weg, welcher sich vom Gut Kontopp bis ins Städtchen Kiebel spannt'. Unklar ist aber noch, ob die Straße über Grünwald und Jeschane oder am Kreuz entlang oder gar in zwei Strängen verlief.

Auch belegen Dokumente aus dem 16. Jahrhundert, dass eine bedeutende Handelsstraße durch Kolzig verlief und der Zoll nach Schlawa getragen wurde. Diese alten Zollrechte mögen noch aus der Zeit stammen, als Schlawa eine Weichbildstadt gewesen sein soll und die Herrschaft Kolzig zum Weichbild Schlawa gehört haben dürfte. Mit dem Verfall des mutmaßlichen Weichbildes Schlawa, wohl begünstigt durch nachteilige Grenzregulierungen zu Ungunsten von Schlesien, gelangten Schlawa und Kolzig zum Weichbild Glogau, dem späteren Kreis Glogau.

Die frühesten bekannten Besitzer von Kolzig waren wohl die Herren von Zabeltitz. 1453 sollen sie laut dem Autor Stefan Petriuk bei der Grenzziehung zwischen Karge und Jaromierz als Herren von Kolzig zugegen gewesen sein. Bislang fehlt dafür aber der Originalbeleg. Die Brüder Kaspar, Bruno und Christoph von Zabeltitz waren berüchtigte Raubritter, überfielen Kaufleute und drangen vermutlich auch in polnische Gebiete ein. Intrigen brachten den drei Brüdern im Jahre 1482 ihren Tod. Die Familie von Zabeltitz lebte aber scheinbar durch verwandtschaftliche Verbindungen in den Familien von Kottwitz, von Burkersdorf und von Kittlitz fort.

Die älteste gesicherte Erwähnung der Herrschaft geschah 1494 als 'Colsko' und 'Kolsko'. In diesem Jahr wurde der Grenzverlauf zwischen der Herrschaft Kolzig in Schlesien und der Herrschaft Kiebel in Polen dokumentiert. Zu der Zeit und 1499 befand sich Kolzig im Besitz des Hans von Kottwitz, scheinbar einem Verwandten der Familie von Zabeltitz. Weitere Besitzer waren 1505 Nickel von Kottwitz, 1531, 1534 und 1543 die Familie von Burkersdorf und zwischen 1583 und 1694 die Herren von Kittlitz.

In die Herrschaft der Familie von Kittlitz fällt ein unrühmliches Kapitel Kolziger Geschichte. Ab 1664 führte der Protestant Johann Christoph von Kittlitz mehrere Hexenprozesse gegen seine Untertanen, bis zu deren Ende mindestens 39 Menschen hingerichtet wurden. 1670 fanden die beiden letzten Opfer der Hexenverfolgung ihren Tod durch Hinrichtung. Es war die größte Verfolgungswelle im Fürstentum Glogau und die zweitgrößte in ganz Schlesien. Noch erschreckender ist es, wenn man bedenkt, dass die gesamte Herrschaft Kolzig im Jahre 1687 aus nur etwa 40 Familien zuzüglich einiger Inlieger und Dienstleute bestand.

Im Jahre 1694 gelangte die unter den Kittlitzen durch den Dreißigjährigen Krieg mit seinen Folgen und viele Prozesse stark verschuldete Herrschaft Kolzig an die Herzogin Eleonore Charlotte von Württemberg zu Oels, welche die Herrschaft aber nicht lange halten konnte. Bereits 1706 gewann der Freiherr Johann Ferdinand von Müllenau aufgrund einer Zession Einfluss über die Herrschaft Kolzig, welche er durch einen Verreichsbrief von 1711 schließlich endgültig in seinen Besitz brachte.

Dieser Freiherr von Müllenau wurde 1759 in Kolzig von plündernden Russen drangsaliert und beraubt. Halb lebend und besorgt um seine Besitztümer flüchtete er zusammen mit dem Pfarrer Gottfried Berndt und der katholischen Gemeinde für einige Jahre nach Schussenze in Polen, wo er 1761 verstarb. Erbe war sein Neffe Johann Rudolf von Gersdorf. Dieser verkaufte das Gut 1766 an Ernst Wilhelm von Schlabrendorf, welcher 1769 verstarb. Dessen Erbe wurde sein Sohn Georg Gustav von Schlabrendorf.

Im Jahre 1820 wurde die gesamte Herrschaft Kolzig zwecks besserer Begrenzung und Abrundung aus dem Kreis Glogau aus- und in den Kreis Grünberg eingegliedert. Nach dem Tod des in Paris lebenden Grafen Georg Gustav von Schlabrendorf im Jahre1824 verkauften seine Erben die Herrschaft Kolzig 1838 an den Ritterschaftsrat Ludwig von Klitzing. In dieser Familie verblieb das Rittergut bis zum Jahre 1945. Der letzte Besitzer war Joachim von Klitzing, welcher seine Ländereien im Oktober desselben Jahres zurücklassen musste.




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